Friedensstifter?
Als der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer im MDR-Interview (01.03.2022) "Maß und Mitte" beim Umgang mit Russland einfordert, bleibt er bundespolitisch auf verlorenen Posten und gilt z.B. der FAZ (Jasper von Altenbockum) anbetracht der Lage als kläglich verirrt. Der Journalist garniert seine Abwertung mit Baerbocks Blick zu Kretschmer (Pressekonferenz 03.03.), voller "Mitleid oder Verachtung", wie er hellsichtig dechiffriert.
Anderswo feiert man diesen Blick als strafenden "Todesblick" mit dem Kretschmer seine gerechte öffentliche Bestrafung erhält; dafür, dass er dem Säbelrasseln der Staatsregierung nicht folgte und stattdessen nach diplomatischen Ansätzen suchte, um sich mit einem Land ins Verhältnis zu setzen, das auch morgen noch unser Nachbar sein wird.
Kretschmer forderte im umstrittenen MDR-Interview:
1. Es soll wieder Frieden eintreten.
2. Der Konflikt soll nicht angeheizt werden.
3. In Wortwahl und Art der Instrumente soll Maß und Mitte gewahrt werden.
4. Ein Ausweg für alle Beteiligten soll ermöglicht werden.
Ein solcher Fahrplan der Diplomatie ist nach der "Zeitenwende" in der Bundesrepublik offensichtlich geächtet und verpönt.
Der sächsische Oberbürgermeister Sven Schulze versteht die neue deutsche "Friedensmission" zum 77 Jahrestag der Bombardierung von Chemnitz (05.03.) schon "besser" anzuwenden.
Beim Chemnitzer Friedenstag will der amtierende Oberbürgermeister den Frieden und die Demokratie gegen Russland verteidigen, denn der Angriff auf die Ukraine sei ein Angriff auf ganz Europa. Deswegen müssten wir uns gegen die Feinde der Demokratie verteidigen. Das müssten wir nicht irgendwann tun, sondern jetzt.
Dafür hat Baerbock die passenden Mittel. Sie will die Pest mit Cholera besiegen. Mit Raketen, Panzern und Jagdflugzeugen will sie Russland bezwingen. Schon sieht sie Polen in Gefahr und weiß über den zweckmäßigen Einsatz von Suchoi-Kampfjets zu fabulieren.
Hoffentlich findet der Baerbock'sche Rachefrieden nie zur militärischen Ausgestaltung! Auch mit der neuen 100 Milliarden-Euro-Bundeswehr wäre dann alles verloren.
Nicht zum ersten Mal steht die Welt schicksalstrunken an diesem Scheideweg; inzwischen allerdings mit einer Vielzahl unmissverständlicher Erfahrungen aus der Vergangenheit. Können wir oder wollen wir nichts daraus lernen?