Die Ruhe vor dem Sturm

Die Regierung hat sich offensichtlich zu lange auf die Unterstützung der vorgeblich schweigenden Mehrheit verlassen, die es trotz aller wiederkehrenden Beschwörungen so nicht gibt. Es ist wohl eher die Ruhe vor dem Sturm, die unsere Volksvertreter in falscher Sicherheit gewogen hat. Wenngleich nur ein Teil der Gesellschaft ihre Unzufriedenheit regelmäßig auf den Straßen des Landes zeigt, so rumoren Zweifel und Kritik an der Coronapolitik schon längst flächendeckend in allen Teilen der Gesellschaft. 
Impfpflichtgesetze zu beschließen, die weder realisierbar noch sinnvoll sind, kann nur als fahrlässig gelten und verdient juristische und personelle Konsequenzen. So sieht es jedenfalls der Bürgermeister der Bergstadt Annaberg-Buchholz,  Rolf Schmidt, in seinem sehenswerten und mutigen Beitrag zur Coronapolitik vom 10.02.2022. 
Nach 2 Jahren Pandemie muss man nicht mehr Vorsicht und Ahnungslosigkeit ins Feld führen, um Fehler und Trugschlüsse in ein sympathisches Gewand aus Bemühtheit zu hüllen. 
Schon längst ist alles auf dem Tisch! Einzig, was abzulegen bleibt, sind eingeübte Glaubensätze, die sich über die realen Verhältnisse erheben, weil sich ihre Bekenntnisträger in mehrheitlicher und moralischer Überlegenheit wähnen. Alle Impfbemühungen müssen geholfen haben! Es sitzen inzwischen zu viele Menschen in diesem Boot, als dass man sagen könnte, es war nur ein Versuch, der uns leider kaum weitergebracht hat. So ist die Nichtimpfquote in den Bundesländern ein guter Anhaltspunkt für das Vermögen, für einen Kurswechsel noch willens und in der Lage zu sein. Und siehe da: in Sachsen hört man neue Töne!  
Nach einem MDR-Beitrag vom 11.02. halte "Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (...) die Impfpflicht im Gesundheitswesen ab 15. März für nicht richtig. Als Grund nannte er 100.000 Betroffene im Freistaat, die dann nicht mehr im Beruf arbeiten dürften." 
Das Kretschmer plötzlich sein Mitgefühl für nicht geimpfte Pflegekräfte entdeckt haben will, ist wenig überzeugend. Sehr viel absehbarer ist dagegen sein Kalkül, rechtzeitig lieber einen anderen Sündenbock als sich selbst für das aufziehende Gesundheitswesen-Desaster zu finden. 
Zu gleicher Zeit werden in unseren europäischen Nachbarländern Coronaregeln im großen Stil abgeschafft! Hierzulande tut man sich offensichtlich noch schwer damit, dass die Pandemie überwunden sein könnte und Impfpflichten und Coronaregeln damit überflüssig werden. Da wird es wohl noch ein bisschen Nachhilfe brauchen, von den Menschen, die schon jetzt auf der Straße protestieren und den anderen, die langsam verstehen, dass man Loyalität und Gehorsam auch den Falschen gegenüber leisten kann. 

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