Stockholm Syndrom
Wenn einst reflektierte, freiheitsliebende Menschen die totalitären Bestrebungen eines Staates im Ausnahmezustand nicht nur dulden, sondern durch ihr eigenes Handeln hofieren und befördern, geschieht etwas, was man so nicht erwarten würde und mich zumindest ins Staunen versetzt.
Neulich sah ich einen Radfahrer mit FFP2-Maske einen Berg hinauffahren. Dem Anschein nach machte ihm die Luftnot nichts aus, denn mit allem Schnaufen schien es bei dieser Fahrt vor allem um das demonstrative Zeigen einer politischen Gesinnung zu gehen! Die Maskerade diente der Abgrenzung von dem, was er keinesfalls sein wollte: ein radelnder Querdenker-Nazi, der in der Pandemie einfach so ungefiltert den Berg hinauf keucht. Luftnot als politisches Statement, dazu kann man der politischen Linken nur herzlich gratulieren! Sauerstoffmangel als Zeichen des Verzichts und Gemeinsinns!
Nicht wenige Mitbürger haben in 2 Jahren Pandemie für sich verinnerlicht, die verordneten Entbehrungen und Gebote als staatliche Fürsorge zu begreifen. Nachdem sie alles befolgt haben, können sie nichts Schlechtes an der Übergriffigkeit des Staates finden. Sie ähneln dabei jenen Geiseln, die allen Forderungen des Bankräubers nachgekommen sind und dann Dankbarkeit empfinden, dass so alle unversehrt aus der Situation kommen konnten (inklusive Bankräuber). Kleine Zugeständnisse und Erleichterungen lassen den Peiniger gar zum Wohltäter werden, der eine Last abnimmt und fürsorglich die Grenzen des Möglichen abwägt.
Warum in aller Welt verhalten sich manche Geiseln so, als würden die Entführer es gut mit Ihnen meinen? Das Stockholm-Syndrom beschreibt eine merkwürdige Solidarisierung von Gewaltopfern gegenüber ihren Peinigern. Die Opfer finden Erklärungen dafür, warum ihre Beschneidungen gar nicht so schlimm sind, oder mindestens angemessen, wenn man die Lage der Aggressoren nur genügend bedenkt. Möglicherweise seien sie auch nur zu ihrem Handeln gezwungen, weil äußere Bedrohungen keine anderen Handlungsoptionen übrig gelassen haben.
In der Psychologie wurden die Auswirkungen solcher paradoxen Beziehungen im Umfeld der Doppelbindungstheorie untersucht. Beim einzelnen Menschen können sie Schizophrenien auslösen. In der Gesellschaft werden sie kaum besseres hervorbringen.