Womit haben wir das verdient?
Schon bevor Marco Buschmann im Amt ist, probiert er am 02.12.2021 im ZDF schon einmal den staatsmännischen Duktus der Erhabenheit aus. Genüsslich fährt er dem verzweifelt wirkenden sächsischen Ministerpräsidenten bei Maybritt Illner über den Mund. "Marco, ... wie heißt er gleich noch?", muss Kretschmer noch gedacht haben, als der ambitionierte Heißsporn weder Respekt noch Anstand bei seiner Abrechnung für den sächsischen Landesvater übrig hatte: "Geld aus Berlin" sei nicht genügend in einen funktionierenden Impfapparat umgesetzt worden; dies sagte er, als hätte er persönlich den Staatsschatz zur Verfügung gestellt und muss nun angewidert dem sächsischen Dilettantismus die Leviten lesen.
Immerhin kann man Kretschmer zu Gute halten, dass er der sächsische Ministerpräsident ist, während sich Herr Buschmann als Minister in Spe, aus dem "Off" der allgemein Geltungsbedürfigen zu befreien versucht. Das tut er lieber spektakulär und aufsehenerregend, statt in mühseeliger, ungesehener Kleinarbeit den Animositäten auf irgendwelchen Telegram-Kanälen nachzugehen, wie es sich Kretschmer noch unbedarft freundlich zu Beginn des Gesprächs vom künftigen Bundesjustizminister gewünscht hatte.
Das Bundes-Justiz-Ministeramt mit einer derart breitbeinig vorgetragenen Selbstgerechtigkeit anzutreten ist bezeichend und neben der Beschädigung "des Amtes" auch persönlich einigermaßen "unanständig"! Selbstwertdienliche Eitelkeiten werden unser Land nicht voranbringen.
Derweil twittert sich im allgemeinen Postengeschacher ein Pharmalobbyist ins einschlägige Ministeramt hinein. Immerhin, gut 10000 Tweets wollen erst einmal geschrieben sein, fast 700 000 Follower schauen ihm dabei auf die Finger.
Es kann aber nur ein Armutszeugnis sein, wenn der Twitter-Himmel voll panischer Warnungen für den geneigten Coronajünger (glücklicherweise auf 280 Zeichen pro Wortmeldung begrenzt), nebst einer Vielzahl unerträglicher Wortmeldungen in den Quotentempeln der Republik (diese leider unbegrenzt), einen ernsthaften Ausschlag bei der Bewerbung um einen Ministerposten geben kann.
Es ist noch nicht lange her, als wir die Amerikaner wegen ihres twitternden Präsidenten, kaum noch ernst nehmen konnten. Inzwischen haben wir selbst keine andere Debattenkultur mehr und müssen der Geistlosigkeit von Tweets und Retweets, von Shitstorm zu Shitstorm, von Nighttalk zu Nighttalk folgen.
Wann werden wir wieder Staatsmänner und -frauen bekommen, die Integrität, Bescheidenheit, Fleiß und Klugheit in ihrer Person vereinen; die mit Kompetenz und menschlicher Reife zu überzeugen verstehen?
Oder bekommt jedes Volk tatsächlich immer die Politikerinnen und Politiker, die es verdient?